Verbreitung und Lebensraum

In Salzburg besitzt die Gelbbauchunke einen Verbreitungsschwerpunkt vor allem in der kollinen und submontanen Stufe des Alpenvorlandes, der Kalkalpen sowie in submontanen und montanen Lagen der großen Flusstäler Salzach, Saalach und Enns. Ausgedehnte Verbreitungslücken befinden sich vor allem in den Tallagen der großen Flusstäler, so in Teilen des Saalachtales, in der Region Zeller See sowie Streckenweise im Salzachtal und auch im Salzburger Becken. Die aktuell bekannten Vorkommen liegen zum größten Teil voneinander isoliert. Im Lungau konnte die Art im Murtal 2014 wiederentdeckt werden. Die Gelbbauchunke kommt im Land Salzburg von den Tieflagen bis in ca. 1.500 m vor, wobei der Höhenverbreitungs-Schwerpunkt der aktuell bekannten Beobachtungen zwischen 400 und 1.000 m liegt. Viele der Vorkommen im Land Salzburg finden sich noch in submontanen Höhen der Gebirgslagen.

Die Gelbbauchunke gilt als Pionierart, welche vor allem aquatische Lebensräume besiedelt, die einer starken Dynamik sowohl natürlicher als auch anthropogener Ursache unterliegen. Hierbei handelt es sich in der Regel um Klein- und Kleinstgewässer wie Teiche, Tümpel, Pfützen und Wagenspuren. Bei Reproduktionsgewässern zeigt die Gelbbauchunke eine deutliche Präferenz auf möglichst sukzessionsfreie bzw. –arme, besonnte und flache Gewässer mit einer Tiefe unter 20 cm. Dennoch besiedelt die Gelbbauchunke auch großflächige und tiefere Gewässer z.B. in Sümpfen, Überschwemmungsflächen oder in Abbaugebieten und kann hier kurz- bis mittelfristig starke Individuenzahlen hervorbringen, solange diese Gewässer sukzessionsarm und konkurrenzfrei sind. Ebenso sind Fließgewässer wie flache Bachläufe, langsam fließende Bereiche von Quellen, Quellsümpfe, aber auch von anthropogen geschaffenen Drainage-Gräben als Gewässerlebensräume zu nennen. Oft handelt es sich im aquatischen Lebensraum um ein Gewässernetz aus mehreren Gewässern verschiedener Größe in enger Verzahnung mit Feuchtgebieten. In Salzburg bilden besonders vom Menschen stark beeinflusste und dynamisch geprägte Sekundärlebensräume die letzten verfügbaren dynamischen Lebensräume mit offenem Boden und wenig Sukzession. Diese findet die Gelbbauchunke etwa in Steinbrüchen, Schottergruben, Deponien, entlang von Ziehwegen, Forststraßen und auf Kahlschlägen mit dauerfeuchtem Boden. Motocross- und Offroad-Pisten (z.B. Lukasedt bei Oberndorf oder in Hollersbach im Pinzgau) bilden u.a. die individuenstärksten Populationen der Gelbbauchunke im Land Salzburg.

Die Gelbbauchunke ist als Pionierart zu schneller Neubesiedelung von Gewässern fähig, wenn diese über dauerfeuchte Habitate und Strukturen zu erreichen sind. Hierbei spielt ein funktionierendes Gewässernetz bzw. ein funktionierender Biotopverbund aus dynamisch geprägten Feuchtgebieten als Wanderkorridor mit geeignetem Mikroklima und darin verzahnten erreichbaren Gewässern eine essentielle Rolle.

Die Gelbbauchunke toleriert Fischvorkommen in den Laichgewässern nicht. Zumeist weicht sie als konkurrenzschwache Art v.a. in ihren Reproduktionsgewässern auch anderen Amphibienarten aus (v.a. Molche, Grasfrosch, Erdkröte).

Rote Liste Status in Österreich:

Gefährdet (VU - vulnerable)

Rote Liste Status in Salzburg:

Stark gefährdet (EN – endangered)

Rechtlicher Schutz in Salzburg:

Besonders geschützte Tierart

FFH-Richtlinie:

Anhang II und IV

Verbreitung der Gelbbauchunke in Salzburg

Gefährdung

In erster Linie stellen flächige Trockenlegungen in der Landschaft mit damit einhergehender Absenkung des Grundwasserspiegels die Hauptursachen für den Lebensraumverlust der Gelbbauchunke in Salzburg dar. Gründe hierfür sind das Wachstum des Dauersiedlungsraumes mit Infrastruktur, Fließgewässerverbau und das schnelle Ableiten des Wassers aus der Landschaft, sowie vor allem die Intensivierung der Bewirtschaftung in wald- aber auch landwirtschaftlich genutzten Flächen. Im Detail äußert sich letzteres oftmals im Verschwinden von Kleinstgewässern, wie z.B. durch Befestigung und Wasserabfluss an Wegen (inkl. Forststraßen u.a. Wirtschaftswegen), gezieltes Verfüllen von Pfützen und Wagenspuren sowie Fassung von Hangwasser und Tränken auf Alm- u.a. Weideflächen. Viele Vorkommen der Gelbbauchunke sind durch diesen großflächigen Lebensraumverlust sowie die fortschreitende Zerschneidung der Landschaft bereits isoliert. In nahezu allen von der Gelbbauchunke besiedelten Lebensräumen des Landes Salzburgs fehlt die natürliche Dynamik. So ist die Art weitestgehend abhängig von der Lebensraum-Dynamik in anthropogen geschaffenen Lebensräume wie v.a. Sand- und Schottergruben. Die unsachgemäße Rekultivierung solcher Abbaugebiete mit Wiederumwandlung in monotone forst- und landwirtschaftliche Nutzflächen führt zum Verschwinden der Gelbbauchunke.

Texte: Marcus WEBER & Peter KAUFMANN, 2020

  • Gelbbauchunken im Amplexus (Bild: P. Kaufmann)

  • Gelbbauchunke (Bild: P. Kaufmann)

  • Wagenspuren in feuchten Wäldern bieten der Gelbbauchunke optimalen Lebensraum

  • Lebensraum Lehmgrube bei Oberndorf

Literatur und Quellen

  • Biodiversitätsdatenbank des Landes Salzburg am Haus der Natur, Datenstand August 2020.
  • GOLLMANN G. (2007): Rote Liste der in Österreich gefährdeten Lurche (Amphibia) und Kriechtiere (Reptilia). In: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft (Hrsg.): Rote Listen gefährdeter Tiere Österreichs, Teil 2: Kriechtiere, Lurche, Fische, Nachtfalter, Weichtiere. Böhlau Verlag, Wien-Köln-Weimar: 515S.
  • KYEK M. & A. MALETZKY (2006): Atlas und rote Liste der Amphibien und Reptilien Salzburgs. Land Salzburg: 141S.

Untersuchungen zu den Kammmolchen in Salzburg: