Kaufmann Peter, Gros Patrick, Wittmann Helmut, Pflugbeil Georg, Kwitt Stefan, Pöhacker Jakob, Rücker Thomas, Kyek Martin, Bergmann Fiona & Robert Lindner

Eigentlich hätte der Artenwettkampf zwischen Salzburg und Münster drei Jahre dauern sollen. Da jedoch allein im ersten Jahr schon über 55.000 Beobachtungen in den beiden Städten auf Observation.org erfasst wurden, wurde beschlossen bereits für 2021 den Zwischenstand auszuwerten und für die folgenden Jahre weitere Städte einzuladen!

Vorweg möchten wir den Münsteranern ganz herzlich gratulieren, die 2021 bereits mehr als 3.300 Arten in ihrer Heimatstadt nachweisen konnten – eine beeindruckende Leistung!

Aber auch in Salzburg und den umgebenden Gemeinden wurde enorm viel gemeldet. Insgesamt haben 207 Teilnehmer·innen 16.500 städtische Naturbeobachtungen von Jänner bis Dezember 2021 auf Observation.org erfasst. Es handelt sich dabei um Beobachtungen zu über 2.400 verschiedenen Tier-, Pflanzen und Pilzarten. Unter den Beobachtungen sind auch viele hochgradig gefährdete Arten und sogar Neufunde für das Bundesland Salzburg. Obwohl in der Biodiversitätsdatenbank für die Stadt Salzburg insgesamt schon knapp 10.000 Arten dokumentiert sind, wurden heuer im Zuge des Bioblitz 200 Arten erstmalig erfasst.

Die Beobachtungen aus Observation.org werden von internationalen und Salzburger Validator·innen überprüft, korrigiert und bestätigt. Alle validierten Daten aus Salzburg werden in die Biodiversitätsdatenbank am Haus der Natur übernommen und stehen so für Forschung und Artenschutz unmittelbar zur Verfügung. Die Daten des Bioblitz stellen knapp ein Viertel der rund 70.000 Beobachtungen dar, die in diesem Jahr im ganzen Land Salzburg über Observation.org erfasst wurden. Die folgenden Auswertungen basieren nur auf den validierten und übernommenen Daten und so können die Zahlen geringfügig von jenen auf Observation.org abweichen.

Am häufigsten wurden in der Stadt Salzburg die Gemeine Schließmundschnecke (82 Beobachtungen), der Grasfrosch (78 Beobachtungen), die Gefleckte Schnirkelschnecke (73 Beobachtungen), das Eichhörnchen (63 Beobachtungen) und die Rotbeinige Baumwanze (61 Beobachtungen) gemeldet.

Im Folgenden werden die Ergebnisse des Bioblitz für die verschiedenen Organismengruppen kurz dargestellt:

Pilze

Es wurden 163 Beobachtungen zu 107 verschiedenen Pilzarten in der Stadt Salzburg und Umgebung dokumentiert. Der Schopf Tintling (Coprinus comatus) und die Schmetterlings Tramete (Trametes versicolor) wurden am häufigsten erfasst. Ein pilzkundliches Highlight ist der Tropfende Schillerporling (Pseudoinonotus dryadeus), ein Baumpilz, der als Schwächeparasit nur an der Stieleiche (Quercus robur) vorkommt und auffällige Flüssigkeitstropfen (Guttationstropfen) am Fruchtkörper ausscheidet. In Salzburg wurde dieser Porling das letzte Mal in den 1980er Jahren dokumentiert und im Zuge des Bioblitz gelangen sogar zwei Nachweise.

Erwähnenswert ist auch der Fund des Hainbuchen-Hautkopfs (Cortinarius olivaceofuscus) in Elsbethen, bei dem es sich um den zweiten Nachweis dieser Art im Bundesland Salzburg handelt.

  • Der Schopf-Tintling zerfließt im Laufe der Zeit zu schwarzer tintenähnlicher Flüßigkeit (Bild: A. Likar)

  • Die Schmetterlings-Tramete gehört zu den häufigsten Pilzen Salzburgs (Bild: G. Droin)

  • Der Tropfende Schillerporling findet sich an geschwächten Eichen (Bild: P. Kaufmann)

  • Guttationstropfen des Tropfenden Schillerporlings (Bild: Rücker & Thalmayr)

  • Zweiter Nachweis des Hainbuchen Hautkopfes in Salzburg (Bild: T. Rücker)

Blütenpflanzen und Farne

Die Blütenpflanzen und Farne machen mit 6.677 Beobachtungen zu 966 Arten, den umfangreichsten Teil der Daten beim Salzburger Bioblitz aus. Am häufigsten wurden in Salzburg der Kriech-Günsel (Ajuga reptans), die Wald-Erdbeere (Fragaria vesca) und die Groß-Brennnessel (Urtica dioica) dokumentiert. Obwohl die Flora Salzburgs dank der aktiven Botanischen Arbeitsgemeinschaft (SaBotAg) und dem historischen Herbar am Haus der Natur (SZB) sehr gut untersucht ist, konnten einige Highlights gefunden werden.

Besonders erfreulich ist der Fund der in Salzburg vom Aussterben bedrohten Klein-Hundswurz (Anacamptis morio) durch Bernhard Schmall am Gaisberg. Die Art war dort bisher noch nicht bekannt. Eine weitere Besonderheit ist das Flecken-Ferkelkraut (Hypochaeris maculata), das Günther Nowotny in Wals-Siezenheim finden konnte. Diese Art kommt im ganzen Bundesland nur in wenigen kleinen Populationen im Gaisberggebiet und mit einzelnen Exemplaren in den Fürstenbrunner Glanwiesen vor.

Weitere floristische Seltenheiten, die im Zuge des Bioblitz in und um die Stadt Salzburg dokumentiert werden konnten, sind das Eifrucht-Hungerblümchen (Draba praecox), die Dolden-Spurre (Holosteum umbellatum), der Kleb-Lein (Linum viscosum) und die Langblatt-Golddistel (Carlina biebersteinii).

Für die EU-weit streng geschützte Sumpf-Siegwurz (Gladiolus palustris) wurden in diesem Jahr wahrscheinlich alle Vorkommen um Salzburg auf Observation.org erfasst.

  • Die seltene Klein-Hundswurz aus der Familie der Orchideen war am Gaisberg noch nicht bekannt (Bild: B. Schmall)

  • Geflecktes Ferkelkraut in Wals-Siezenheim (Bild: G. Nowotny)

  • Kleb-Lein in Grödig (Bild: B. Schmall)

  • Die EU-geschützte Sumpf-Siegwurz oder Sumpf-Gladiole (Bild: G. Nowotny)

Libellen

Auch wenn die Libellen mit 37 festgestellten Arten und 231 Beobachtungen eine vergleichsweise artenarme Gruppe der Insekten in Salzburg darstellen, wurden hier einige besonders seltene und attraktive Arten entdeckt!

Eine kleine Sensation ist das Vorkommen der österreichweit vom Aussterben bedrohten und EU-weit streng geschützten Östlichen Moosjungfer (Leucorrhinia albifrons), das Henrik Klar am Lieferinger Badesee entdeckt hat. Die ebenfalls streng geschützte und gefährdete Große Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis) konnte zudem am Schmederer Weiher in Aigen festgestellt werden. Beide Arten wurden bisher noch nie in der Stadt Salzburg dokumentiert. Weitere Highlights sind der Spitzenfleck (Libellula fulva), die Keilfleck Mosaikjungfer (Aeshna isoceles) und die Westliche Keiljungfer (Gomphus pulchellus), die sich seit dem ersten Nachweis in Salzburg im Jahr 2005 in unserem Bundesland immer weiter ausbreitet.

  • Die Östliche Moosjungfer ist österreichweit vom Aussterben bedroht und wurde am Salzachsee entdeckt (Bild: H. Klar)

  • Die EU-geschützte Große Moosjungfer in Aigen (Bild: H. Wittmann)

  • Keilfleck Mosaikjungfer bei Siggerwiesen (Bild: M. Kyek)

  • Die Westliche Keiljungfer breitet sich seit 2005 langsam in Salzburg aus (Bild: H. Klar)

Heuschrecken

Für die Gruppe der Heuschrecken wurden beim Bioblitz 307 Beobachtungen zu 39 Arten getätigt. Besonders hervorzuheben sind hier die beiden Beobachtungen der Gemeinen Sichelschrecke (Phaneroptera falcata), einer wärmeliebenden Art, die gerade erst in der Stadt Salzburg einzuwandern scheint. Auch die Südliche Eichenschrecke (Meconema meridionale), zeigt Ausbreitungstendenzen und wurde im Zuge des Bioblitz 18 Mal dokumentiert. Erfreulich ist, dass die isolierten Vorkommen der Gestreiften Zartschrecke (Leptophyes albovittata) am Rainberg und das Vorkommen der Bedornten Höhlenschrecke (Troglophilus neglectus) in Elsbethen bestätigt werden konnten.

  • Gemeine Sichelschrecke im 3. Stock des Hauses der Natur (Bild: F. Leiblfinger)

  • Die Südliche Eichenschrecke befindet sich in Salzburg in Ausbreitung (Bild: Sinagrida)

  • Die Gestreifte Zartschrecke am Rainberg (Bild: L. Schlager)

  • Bedornte Höhlenschrecke in Elsbethen (Bild: H. Wittmann)

Schmetterlinge

Mit 2.196 Beobachtungen zu 539 Arten waren die Schmetterlinge (Tag- und Nachtfalter) die artenreichste Tiergruppe beim Salzburger Bioblitz. Am häufigsten wurden das Tagpfauenauge (Aglais io), der Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) und das Große Ochsenauge (Maniola jurtina) gemeldet.

Vor allem für die artenreiche Gruppe der Nachtfalter waren die beiden Leuchtnächte im Botanischen Garten und am Rainberg besonders ergiebig. Einige Melder haben sich im Zuge des Bioblitz zudem UV-Lampen für Balkon und Garten angeschafft um Arten anzulocken.

Auf dieser Weise konnten in Salzburg selten beobachtete Arten wie die Apfelbaum-Faulholzmotte (Epicallima formosella) und der an Felshabitate gebundene Hellgebänderte Steinspanner (Charissa pullata) auf den Stadtbergen, sowie die an Feuchthabitate gebundene Rohrglanzgras-Schilfeule (Archanara neurica) im Botanischen Garten nachgewiesen werden. Auch eindrucksvolle Schwärmer wie der Pappelschwärmer (Laothoe populi) oder der Lindenschwärmer (Mimas tiliae) konnten so dokumentiert werden.

  • Das Muster des Hellgebänderten Steinspanners ist an Felshabitate angepasst (Bild: P. Gros)

  • Nachtfalter-Leuchten am Rainberg (Bild: P. Kaufmann)

  • Rohrglanzgras Schilfeule im Botanischen Garten (Bild: P. Gros)

  • Eindrucksvoller Pappelschwärmer in Koppl (Bild: P. Gros)

  • Lindenschwärmer am Rainberg (Bild: L. Schlager)

Gleich 60 der 152 in Salzburg vorkommenden Tagfalterarten konnten im Rahmen des Salzburger Bioblitz nachgewiesen werden. Unter ihnen sind vor allem die EU-weit streng geschützten Arten Schwarzer Apollo (Parnassius mnemosyne) in Elsbethen, Goldener Scheckenfalter (Euphydryas aurinia) und Eschenscheckenfalter (E. maturna) in Wals-Siezenheim, sowie Dunkler und Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous und P. teleius) in Koppl und im Leopoldskroner Moos als Besonderheiten zu nennen. Bemerkenswert war auch der Nachweis des Hochmoor-Perlmuttfalters (Boloria aquilonaris), dessen Vorkommen im Koppler Moor bestätigt werden konnte. Erwähnenswert ist auch der Karst-Weißling (Pieris mannii), ein mediterraner Einwanderer, der in Salzburg erstmals 2013 beobachtet wurde, und im Zuge des Bioblitz 12 Mal dokumentiert werden konnte.

  • Das Tagpfauenauge wurde im Zuge des Bioblitz 71 Mal dokumentiert (Bild: R. Patzner)

  • Großes Ochsenauge (Bild: H. Klar)

  • Schwarzer Apollo in Elsbethen (Bild: P. Gros)

  • Der EU-geschützte Goldene Scheckenfalter am Gaisberg (Bild: A. Sinner)

Käfer

Bei den Käfern konnten im Zuge des Bioblitz 634 Beobachtungen zu 206 Arten getätigt werden. Diese artenreiche Gruppe ist damit deutlich unterrepräsentiert – hier fehlen noch Experten! Dennoch gelangen bei dieser Gruppe viele bemerkenswerte Beobachtungen. Mit dem Fund des Seerosenblattkäfers (Galerucella nyphaeae) am Teich der Naturwissenschaftlichen Fakultät dürfte Lisi Schlager ein Erstnachweis für das Bundesland Salzburg geglückt sein. Auch für den Gefleckten Pappelbock (Saperda perforata) und den Australischen Teppichkäfer (Anthrenocerus australis) gab es bisher weder in der Biodiversitätdatenbank noch in der Käfermonographie von E. Geiser Einträge.

Zwei seltene und attraktive Bockkäfer-Arten, die selbstständig ins Haus der Natur kamen, sind der Rothaarbock (Pyrrhidium sanguineum), der Jaqueline Lederer ins Büro geflogen ist und der Achtfleckige Augenbock (Mesosa curculionoides) den Sandra Vogl im Stiegenhaus des Museums entdeckt hat.

  • Erster Beleg des Seerosenblattkäfers im Bundesland Salzburg (Bild: L. Schlager)

  • Erster Nachweis des Großen Pappelbocks im Bundesland Salzburg (Bild: P. Gros)

  • Achtfleckiger Augenbock im Stiegenhaus des Museums (Bild: S. Vogl & P. Kaufmann)

  • Der Rothaarbock kam durchs Fenster angeflogen (Bild: J. Lederer)

Sonstige Insekten und Spinnentiere

Auch für die Gruppe der Zweiflügler (174 Arten), der Schnabelkerfe (90 Arten), der Hautflügler (71 Arten) oder der Spinnentiere (61 Arten) wurden viele Beobachtungen getätigt. Die Mehrheit dieser Arten wurde im Zuge des Bioblitz erstmals in der Salzburger Biodiversitätsdatenbank erfasst. Leider ist eine Interpretation dieser Daten ohne ältere Vergleichsdaten oder fachliche Expertise nur schwer möglich. So wurden auch viele häufige Arten, wie die Stubenfliege (Musca domestica) bisher in Salzburg noch nie dokumentiert, da es hierfür in Salzburg keine Experten und demnach auch kein Interesse an einer Erfassung der Art gab. Mit den Daten des Bioblitz ist für diese Artengruppen jedenfalls eine Datengrundlage entstanden, die eine zukünftige Erforschung dieser Tiergruppen in Salzburg erleichtert.

Bemerkenswert ist nichtsdestotrotz das bisher unbemerkte Vorkommen der synanthropen (kulturfolgenden) Speispinne (Scytodes thoracica) in den Gängen des Hauses der Natur oder die eindrucksvolle Tapezierspinne (Atypus piceus), einer Vogelspinnenartigen, die in Mülln gefunden wurde. Auch die Höhlen-Radnetzspinne (Meta menardi) in der Mönchsberg-Tropfsteinhöhle wurde im Zuge einer Höhlenexkursion der Mineralogischen Arbeitsgemeinschaft durch Jaqueline Lederer bestätigt.

  • Die Rotbeinige Baumwanze ist das am häufigsten dokumentierte Insekt des Bioblitz (Bild: R. Thalmayr)

  • Speispinne am Gang des Hauses der Natur (Bild: P. Kaufmann)

  • Tapezierspinne in Mülln (Bild: P. Kaufmann)

  • Höhlen-Radnetzspinne in der Mönchsberg-Tropfsteinhöhle (Bild: J. Lederer)

Weichtiere

Es wurden im Zuge des Bioblitz 1.376 Beobachtungen zu 111 Mollusken-Arten erbracht. Die Nachweise der Grauen Schließmundschnecke (Bulgarica cana) in der Saalachau sind bemerkenswert, da diese Art bisher erst zweimal im Untersuchungsgebiet gefunden wurde. Sie ist in der Roten Liste der Weichtiere Österreichs als „vom Aussterben bedroht" eingestuft. Besonders das Verschwinden kalkreicher, naturnaher Buchenmischwälder und das Pflanzen von Fichten haben die Vorkommen der Art stark dezimiert.

Die Kantige Laubschnecke (Hygromica cinctella) ist eine aus dem Mittelmeerraum eingeschleppte Art, die 2016 erstmals lebend in Salzburg nachgewiesen wurde, und im Zuge des Bioblitz bereits 42 mal verteilt im ganzen Stadtgebiet beobachtet wurde. Die Art breitet sich also nicht gerade im sprichwörtlichen Schneckentempo aus. Auch das seit 2018 bekannte Vorkommen der Italienischen Schließmundschnecke (Charpentieria itala) auf den Grabsteinen des St. Peter Friedhofes konnte während des Bioblitz bestätigt werden. Diese Art ist in Salzburg ebenfalls nicht heimisch und scheint bisher nur lokal begrenzt vorzukommen.

Erwähnenswert sind auch die drei Funde der Schmalen Windelschnecke (Vertigo angustior) im Stadtgebiet. Die Art ist in Anhang II der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie genannt. In Österreich scheint sie in Mittelgebirgslagen noch häufiger vorzukommen und nicht gefährdet zu sein. Im Flachland ist sie jedoch stark rückläufig.

  • Die Gemeine Schliessmundschnecke wurde beim Bioblitz am häufigsten dokumentiert (Bild: C. Medicus)

  • Die Graue Schließmundschnecke ist in Österreich vom Aussterben bedroht (Bild: S. Kwitt)

  • Die mediterrane Kantige Laubschnecke hat sich in Salzburg rasch ausgebreitet (Bild: C. Medicus)

  • Die Italienische Schließmundschnecke lebt auf den Grabsteinen des St. Peter Friedhofs (Bild: P. Kaufmann & S. Kwitt)

Amphibien und Reptilien

Mit 509 Beobachtungen zu 23 Arten wurden im Zuge des Bioblitz - mit Ausnahme des Alpensalamanders (Salamandra atra) und des Kleinen Wasserfrosches (Pelophylax lessonae) - alle im Untersuchungsgebiet bekannten Amphibien- und Reptilienarten erfasst.

Besonders erfreulich sind die Belege der Zauneidechse (Lacerta agilis) in Gärten südlich des Rainbergs, da die Art im Stadtteil Riedenburg trotz intensiver Nachsuche schon seit Jahrzehnten als verschollen galt. Auch sechs Beobachtungen der EU-weit streng geschützten und versteckt lebenden Schlingnatter (Coronella austriaca) wurden im Zuge des Bioblitz erbracht. Bei den Amphibien ist vor allem das letzte bekannte Vorkommen der Gelbbauchunke (Bombina variegata) im Stadtgebiet von Salzburg in der Nähe des Kräuterhofwegs erwähnenswert. Weitere EU-weit streng geschützte Amphibienarten, die im Zuge des Bioblitz mehrfach gefunden wurden sind Kammmolch (Triturus cristatus), Springfrosch (Rana dalmatina) und Laubfrosch (Hyla arborea).

Auch nicht heimische Reptilienarten wie die Mauereidechse (Podarcis muralis) oder die Rotwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta scripta) und sogar eine ausgesetzte Moschuschildkröte (Sternotherus odoratus) konnten im Zuge des Bioblitz dokumentiert werden.

  • Zauneidechsen galten im Stadtteil Riedenburg trotz Nachsuche seit Jahrzehnten als verschollen (Bild: Alexandra)

  • Die versteckt lebende Schlingnatter am Mönchsberg (Bild: P. Kaufmann)

  • EU-weit geschützter Alpenkammmolch aus Koppl (Bild: P. Gros)

  • Laubfrosch-Männchen ruft im Volksgarten (Bild: M. Zaglmayr)

  • Eingeschleppte Mauereidechsen am Gnigler Bahndamm (Bild: D. Frühling)

Vögel

Mit 1.576 Beobachtungen zu 152 Arten wurden auch die Vögel der Stadt Salzburg im Zuge des Bioblitz relativ umfangreich dokumentiert. Die häufigsten beobachteten Arten sind Stockente (Anas platyrhynchos), Amsel (Turdus merula) und Zilpzalp (Phylloscopus collybita).

Eine besondere Seltenheit stellt der Erstnachweis einer nordamerikanischen Ringschnabelente (Aythya collaris) dar, die im März an der Königsseeache entdeckt wurde. Weitere Highlights für die Stadt waren der Schwarzstirnwürger (Lanius minor) der im Mai das Flughafenareal besucht hat und Nachtreiher (Nycticorax nycticorax), die durch Julia Schuster und Robert Geleckyj mehrfach am Leopoldskroner Weiher gesichtet wurden. Erfreulich sind außerdem Wachtel-Meldungen (Coturnix coturnix) aus dem Umfeld des Flughafens. Als Durchzügler wurden im Walserfeld eine Kurzzehenlerche (Calandrella brachydactlya) gemeldet und im Donnenberg-Park eine Löffelente (Spatula clangula) gesichtet.

  • Erstnachweis der nordamerikanischen Ringschnabelente im Land Salzburg (Bild: J. Pöhacker)

  • Schwarzstirnwürger am Flughafengelände (Bild: H. Klar)

  • Juveniler Nachtreiher am Leopoldskroner Weiher (Bild: R. Geleckyi)

  • Löffelente im Hans-Donnenberg-Park (Bild: P. Kaufmann)

Säugetiere

Im Rahmen des Bioblitz wurden 251 Beobachtungen zu 30 Säugetierarten in und um die Stadt Salzburg gemeldet. Am häufigsten beobachtet wurden Eichhörnchen (Sciurus vulgaris), Reh (Capreolus capreolus) und Biber (Castor fiber). Mit der Batcorder-Aufnahme einer Alpenfledermaus (Hypsugo savii) durch den Münsteraner Museumsdirektor Jan Ole Kriegs gelang wahrscheinlich ein Erstnachweis für das Bundesland Salzburg. Der Fischotter (Lutra lutra) konnte durch Bernhard Schmall entlang von Salzburgs Bächen regelmäßig in Form von Spuren und Exkrementen dokumentiert werden. Außerdem gelangen 13 Sichtungen des Hermelins (Mustela erminea). Auch ein städtischer Dachs (Meles meles) sowie ein Waschbär (Procyon lotor) wurden auf Observation.org gemeldet.

  • Eichhörnchen (Bild: C. Medicus)

  • Hermelin am Almkanal (Bild: P. Kaufmann)

  • Alpenfledermaus-Sonogramm (Bild: J. O. Kriegs)

Dank und Ausblick

Wir möchten uns bei allen Naturbeobachter·innen bedanken, die mit ihren Daten zum Bioblitz und damit zur Erforschung und Dokumentation der Flora und Fauna Salzburgs einen wertvollen Beitrag geleistet haben. Außerdem gilt den vielen ehrenamtlichen Validatore·innen großer Dank, die die gemeldeten Daten gewissenhaft überprüfen und bestätigen. Ohne sie wäre der Einsatz von Observation.org nicht in diesem Umfang möglich.

Eine detailliertere Version dieser Auswertung inklusive tabellarischer Ergebnisse ist für die nächste Ausgabe der Mitteilungen des Hauses der Natur im Jahr 2022 geplant.

Im kommenden Jahr sind alle Kreisfreien Städte und Landkreise Deutschlands vom Deutschen Museumsbund eingeladen beim Bioblitz mitzumachen. Auch weitere Österreichische Städte sind gerne willkommen und können sich bei Interesse an observation@hausdernatur.at melden.

Außerdem wird Salzburg 2022 mit Observation.org auch bei der internationalen City Nature Challenge teilnehmen. Am Wochenende von 29.4. bis 2.5.2022 werden hier weltweit in über 400 Städten und Regionen Naturbeobachtungen gesammelt. Die Teilnahme und Datenerfassung für den Salzburg Nature Challenge 2022 ist im ganzen Bundesland Salzburg möglich und wird organisiert von Haus der Natur und dem Fachbereich Biowissenschaften der Universität Salzburg. Zeigen wir der Welt auch hier, wie artenreich Salzburg ist!